Demenz und Alzheimer – Ursachen, Vorbeugung, Behandlung

Aktualisiert am 29. September 2021 von Dr. Jochen G. Opitz

Mit dem Alter nimmt auch die Vergesslichkeit zu. Wer manchmal in die Küche oder in den Keller geht und plötzlich nicht mehr weiß, was er dort erledigen wollte, ist nicht zwangsläufig krank. Manchmal kreisen die Gedanken um andere Dinge und man konzentriert sich nicht genug.

Wenn jedoch die geistigen (kognitiven) Fähigkeiten so stark nachlassen, dass sich der Alltag kaum noch bewältigt lässt, steckt möglicherweise eine Demenz oder die Alzheimerkrankheit dahinter. In Deutschland leiden zurzeit etwa 1,5 Millionen Menschen unter einer Demenz-Erkrankung. Bis zum Jahr 2050 steigt diese Zahl voraussichtlich auf mehr als zwei Millionen.1

In diesem Artikel erfahren Sie,

  • welcher Unterschied zwischen Demenz und Alzheimer besteht,
  • warum Menschen daran erkranken,
  • wie diese Krankheiten behandelt werden können.

Was ist Demenz?

Der Ausdruck stammt von dem lateinischen Wort mens (Verstand, Geist) ab. Die Silbe „de“ steht für eine Verneinung des nachfolgenden Wortstamms. Wörtlich übersetzt beschreibt Demenz somit den Zustand eines stark eingeschränkten Verstandes. Ärzte verstehen unter diesem Oberbegriff eine fortschreitende Beeinträchtigung des Denkens, des Gedächtnisses und anderer Fähigkeiten unseres Gehirns.

Bei Morbus Alzheimer (abgekürzt Alzheimer) handelt es sich um die häufigste Form der Demenz: Rund 60 Prozent aller Erkrankten leiden an Alzheimer; 20 Prozent lassen sich der sogenannten vaskulären Demenz zuordnen. Die restlichen 20 Prozent stellen Mischformen dar. Häufig wird umgangssprachlich der Ausdruck Altersdemenz anstelle von Demenz verwendet. Er weist darauf hin, dass die meisten Betroffenen das 65. Lebensjahr bereits überschritten haben.

Alle Demenzformen besitzen eine Gemeinsamkeit: Mit der Zeit sterben immer mehr Gehirnzellen ab, die für das Gedächtnis zuständig sind. Bei Personen mit beginnender Demenz ist zunächst das Kurzzeitgedächtnis in Mitleidenschaft gezogen. So können sie sich nicht mehr an Verabredungen erinnern, verlegen häufig ihre Brille und die Haustürschlüssel. Nachbarn oder Familienmitglieder werden nicht selten beschuldigt, diese Dinge heimlich zu entwenden. Im Verlauf der Erkrankung nehmen die Erinnerungslücken zu.

Wie entsteht die Alzheimerkrankheit?

Wir wissen nicht genau, warum immer mehr Menschen an Morbus Alzheimer leiden. Bis vor wenigen Jahren dominierte in der Wissenschaft die sogenannte Amyloid-Hypothese. Demnach sind Ablagerungen (Plaques) aus Beta-Amyloid-Peptiden im Gehirn für den Untergang der Nervenzellen verantwortlich.

Mittlerweile wurden weltweit riesige Summen in die Entwicklung von Medikamenten investiert, die Amyloid-Peptide abbauen oder deren körpereigene Produktion verhindern sollen. Da der Erfolg bis heute in klinischen Studien ausbleibt, zweifeln immer mehr Wissenschaftler die Amyloid-Hypothese an.2

Auch die sogenannte Nonnenstudie widerspricht der bisher als sicher geglaubten Amyloid-Hypothese. Seit 1986 führt der Epidemiologe Professor Dr. David A. Snowdon mit seiner Forschergruppe eine Langzeitstudie an 678 älteren Ordensschwestern durch. Regelmäßig unterziehen sie sich mentalen Tests, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Nach dem Tod der Nonnen nehmen die Wissenschaftler eine Autopsie des Gehirns vor und untersuchen, ob Amyloid-Ablagerungen vorhanden sind.

Das bisherige Ergebnis: Unabhängig von den Gedächtnisleistungen lassen sich in den Gehirnen der meisten Schwestern charakteristische Plaques nachweisen. Die größten Ablagerungen fanden die Forscher bei einer 85-Jährigen, die bis an ihr Lebensende geistig und körperlich fit war. Nach der Amyloid-Hypothese wäre das Gegenteil zu erwarten gewesen, nämlich Morbus Alzheimer im Endstadium.3

Aber warum lagern sich Beta-Amyloide im Gehirn ab? Im Jahr 2016 entdeckten Wissenschaftler eine unerwartete Eigenschaft der Amyloid-Peptide: Sie sind in der Lage, Mikroorganismen zu neutralisieren. Als die Forscher Bakterien in das Gehirn von Nagetieren injizierten, bildeten sich nach kurzer Zeit charakteristische Alzheimer-Plaques rund um die Bakterienzellen. Bei den Versuchstieren handelte es sich um Mäuse, die genetisch so verändert wurden, dass ihr Organismus Beta-Amyloide bilden kann.4

Ist Alzheimer die Folge einer Entzündung des Gehirns?

Ein neuer bahnbrechender Ansatz zur Entstehung von Morbus Alzheimer berücksichtigt die Wirkungsweise der sogenannten Mikrogliazellen. Als Effektorzellen gehören sie zur ersten Verteidigungslinie unseres Immunsystems in Gehirn und Nervensystem. Mit ihren tentakelähnlichen Fortsätzen tasten Mikrogliazellen die Umgebung ab, ständig auf der Suche nach Zellresten, Krankheitserregern und gefährlichen Stoffwechselprodukten.

Bemerkt einer der „Wächter“ eine Bedrohung für das Gehirn, wandert die Zelle ähnlich wie eine Amöbe (einzelliges Lebewesen) an den Infektionsort und löst dort eine Entzündung aus. Laut Aussagen von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gerät diese Entzündungsreaktion bei Alzheimer außer Kontrolle. Als Folge der chronischen Entzündung kommt es zu einer fortschreitenden Zerstörung von Nervenzellen (Neurodegeneration), verbunden mit dem Verlust der geistigen Fähigkeiten.5,6

Im Jahr 2018 wies ein Forschungsteam aus den USA und Australien erstmals den Zusammenhang zwischen einer Zahnfleischentzündung (Parodontitis) und Entzündungen im Gehirn von Mäusen nach. Die Wissenschaftler verabreichten den Erreger der Parodontitis (Porphyromonas gingivalis) über einen Zeitraum von 22 Wochen oral an zehn Versuchstiere. In der Kontrollgruppe erhielten die Mäuse ein Placebo. Bei der anschließenden Untersuchung wurden sowohl Parodontitis-Erreger als auch Hinweise auf Entzündungsreaktionen in den für Alzheimer typischen Hirnregionen entdeckt. Die Kontrollgruppe zeigte keinerlei auffällige Befunde.7

Was bedeutet das? Als Ursache von Alzheimer-Demenz kommen Faktoren infrage, die Entzündungen auslösen können. Dazu zählen Bakterien und Viren, aber möglicherweise auch der Geschmacksverstärker Glutamat oder Metalle wie Aluminium.

Eine weitere Tatsache stützt die Entzündungstheorie: Rheuma-Patienten, die regelmäßig entzündungshemmende Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac) einnehmen, erkranken seltener an Morbus Alzheimer.8

Naturheilkundliche Behandlungsmöglichkeiten von Demenz und Alzheimer

Heilpraktiker und Naturheilärzte setzen zunächst auf Prävention. So haben sich bei Menschen ab 50 Jahren folgende Ansätze bewährt:

  • gesunde Ernährung mit einem hohen Anteil an frischem Gemüse und Obst, Olivenöl und Fisch (mediterrane Ernährung)9,10
  • möglichst wenig hoch verarbeitete Nahrung mit ihrem großen Anteil an raffiniertem Zucker, Salz, tierischen Fetten und chemischen Zusatzstoffen verzehren11,12
  • Übergewicht konsequent abbauen13
  • regelmäßige Bewegung und sportliche Aktivitäten10
  • wenigstens sechs Stunden pro Nacht ungestört schlafen14

Alle diese Maßnahmen erwiesen sich in wissenschaftlichen Studien als geeignet, die Gefahr einer Demenz zu vermindern. Warum sind mediterrane Ernährung und Bewegung so wichtig? Beides wirkt dem Auftreten chronischer Entzündungen entgegen. Gesättigte Fettsäuren, tierische Produkte und hoch verarbeitete Nahrungsmittel aus dem Supermarkt hingegen erhöhen die Entzündungsneigung des Körpers. Da das Durstgefühl mit dem Alter nachlässt, sollte jeder darauf achten, mindestens 1,5 Liter gesundes Wasser am Tag zu trinken.

Selbst wenn bereits erste Anzeichen einer Demenz vorliegen, lohnt es sich, die genannten Maßnahmen durchzuführen. Denn auf diese Weise können Entzündungen im Gehirn eindämmt werden. Dadurch verlangsamt sich die Zerstörung der Nervenzellen und die kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen bleiben möglichst lange erhalten. Heilpraktiker und Naturheilärzte führen darüber hinaus bei Alzheimer-Patienten naturheilkundliche Basisbehandlungen wie Entgiftung, Entsäuerung, Darmsanierung und Immunmodulation durch.

Im zweiten Teil dieser Artikelreihe gehen wir ausführlich auf schulmedizinische Therapieansätze bei Morbus Alzheimer ein.


Weiterführende Artikel zu Morbus Alzheimer und Demenz

Informationen von anerkannten Gesundheitsexperten zu Symptomen, Therapien, Vitaminen, Mineralien, Heilkräutern, ÁYIO-Q Wasserkur und ÁYIO-Q Atemtherapie.


Quellen:

[1] Demenz: Wenn Vergesslichkeit zur Krankheit wird, auf https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de

[2] Grübler B. Alzheimer-Demenz: Die Forschung steht unter Druck. Dtsch Arztebl. 2012;109(1-2): A-26/B-23/C-23.

[3] Bahnbrechende Studien aus der Forschung: Die Nonnenstudie, auf http://dzd.blog.uni-wh.de

[4] We may finally know what causes Alzheimer’s – and how to stop it, auf https://www.newscientist.com

[5] Mikroglia, auf https://de.wikipedia.org

[6] Alzheimer: Entzündung setzt fatalen Kreislauf in Gang, auf https://healthcare-in-europe.com

[7] Ilievski V et al. Chronic oral application of a periodontal pathogen results in brain inflammation, neurodegeneration and amyloid beta production in wild type mice. PLoS One. 2018 Oct 3;13(10):e0204941.

[8] Wenn schon Rheuma, dann wenigstens kein Alzheimer – Rheumamedikamente scheinen vor Alzheimer zu schützen, auf https://www.rheuma-online.de

[9] Román GC et al. Mediterranean diet: The role of long-chain ω-3 fatty acids in fish; polyphenols in fruits, vegetables, cereals, coffee, tea, cacao and wine; probiotics and vitamins in prevention of stroke, age-related cognitive decline, and Alzheimer disease. Rev Neurol (Paris). 2019 Dec;175(10):724-741.

[10] Baranowski BJ et al. Healthy brain, healthy life: a review of diet and exercise interventions to promote brain health and reduce Alzheimer’s disease risk. Appl Physiol Nutr Metab. 2020 Oct;45(10):1055-1065.

[11] Leo EEM, Campos MRS. Effect of ultra-processed diet on gut microbiota and thus its role in neurodegenerative diseases. Nutrition. 2020 Mar;71:110609.

[12] Pistollato F et al. Associations between Sleep, Cortisol Regulation, and Diet: Possible Implications for the Risk of Alzheimer Disease. Adv Nutr. 2016 Jul 15;7(4):679-89.

[13] Dominguez LJ, Barbagallo M. Nutritional prevention of cognitive decline and dementia. Acta Biomed. 2018; 89(2): 276–290.

[14] Sabia S et al. Association of sleep duration in middle and old age with incidence of dementia. Nat Commun 12, 2289 (2021).

veröffentlich am:
8. Juli 2021

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