Hypothyreose, Hyperthyreose, Hashimoto – die häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse

Aktualisiert am 2. Oktober 2021 von Dr. Jochen G. Opitz

Im Jahr 2001 zeichnete eine Ultraschall-Reihenuntersuchung ein düsteres Bild: Jeder dritte Deutsche ist schilddrüsenkrank! In den meisten Fällen liegt jedoch eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse vor, die als Struma oder Kropf bezeichnet wird.1

Beinahe jede 10. Frau und jeder 30. Mann waren 2016 von einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) betroffen und befanden sich deshalb in ärztlicher Behandlung. Noch häufiger tritt die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis, kurz Hashimoto genannt, auf. Über zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leidet mittlerweile an dieser neuen Volkskrankheit.2,3

Eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) ist im Vergleich dazu wesentlich seltener. Weniger ein Prozent der Deutschen erhält nach einem Arztbesuch die Diagnose Hyperthyreose.4

Welche Aufgabe hat die Schilddrüse in unserem Organismus?

Die Schilddrüse produzierte die Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4), die zahlreiche lebensnotwendige Vorgänge im menschlichen Organismus beeinflussen. Unter anderem steuern sie:5

  • Gehirnaktivität, Psyche
  • Blutdruck und Herzaktivität
  • Verdauung, Darmtätigkeit
  • Energiestoffwechsel
  • Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel
  • Wachstum von Kindern

Damit dem Körper in jeder Situation die erforderlichen Mengen an T3 und T4 zur Verfügung stehen, wird sowohl die Herstellung als auch die Freisetzung der Schilddrüsenhormone über einen Regelkreis kontrolliert. So lässt sich die Hormonausschüttung schnell an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen.

Wie funktioniert der Regelkreis der Schilddrüsenhormone?

Zunächst produziert ein Bereich unseres Gehirns, der Hypothalamus, das Peptidhormon TRH (Thyreotropin freisetzendes Hormon) und gibt es an die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ab. Diese kirschkerngroße Drüse liegt unterhalb des Gehirns auf Höhe der Nasenwurzel. Wie die Bezeichnung Thyreotropin freisetzendes Hormon verrät, sorgt TRH dafür, dass die Hypophyse das Peptidhormon Thyreotropin (TSH) herstellt und an das Blut abgibt.

Über den Blutstrom gelangt TSH zur Schilddrüse, wo es an den TSH-Rezeptor bindet. Als Folge steigert sich die Jodaufnahme in die Schilddrüse, verbunden mit der Produktion und Speicherung der Hormone Trijodthyronin und Tetrajodthyronin in sogenannten Follikeln. Bei Bedarf können sie umgehend in das Blut freigesetzt werden.

Die Namen der Schilddrüsenhormone deuten es bereits an: Jedes Molekül enthält drei (tri) beziehungsweise vier (tetra) Jodatome. Ohne eine ausreichende Versorgung mit Jod über die Nahrung bildet unser Körper nicht genügend Schilddrüsenhormone.

Die häufigsten Schilddrüsenkrankheiten kurz erklärt

Normale Blutspiegel von T3 und T4 bezeichnen Ärzte als Euthyreose, eine zu niedrige Konzentration als Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) und einen zu hohen Wert als Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion). Hinter einer Überfunktion der Schilddrüse verbergen sich zwei mögliche Krankheiten: die Schilddrüsenautonomie und die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow.

Auch die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift und mit der Zeit vollkommen zerstört. Zu Beginn liegt zumeist eine geringfügige Schilddrüsenüberfunktion vor. Aufgrund der zunehmenden Zerstörung der Schilddrüse kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Unterfunktion.

Vereinfacht ausgedrückt wirken die Hormone T3 und T4 wie das Gaspedal eines Autos: Bei einer Überfunktion der Schilddrüse wird das Gaspedal ganz durchgedrückt und der Motor läuft im oberen Drehzahlbereich. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion hingegen tippt der Fahrer das Gaspedal kaum an, sodass die Drehzahl sehr niedrig ist. Entsprechend gegenläufig sind die Symptome der beiden Erkrankungen:

Vergleich der Symptome zwischen Hypothyreose und Hyperthyreose

Schilddrüsenunterfunktion Schilddrüsenüberfunktion
GewichtGewichtszunahmeGewichtsabnahme
Blutdruckniedrighoch
HerzVerlangsamung des Herzschlags, HerzvergrößerungHerzklopfen und Herzrasen (Tachykardie)
Körpertemperaturerniedrigt, friert leichterhöht, schwitzt schnell
Temperaturempfindlichkeitkälteempfindlichwärmeempfindlich
AppetitAppetitmangel (Anorexia)Heißhunger
StuhlgangVerstopfungDurchfälle
Hautkühl, trocken, verdickt, raufeuchtwarm
Haaredünnes Haar, HaarausfallHaarausfall
LeistungsfähigkeitKonzentrationsschwäche, Leistungsschwächenormal
GemütszustandMüdigkeit, schnelle ErschöpfungReizbarkeit, Nervosität, Unruhe, Stimmungsschwankungen
Psychische SymptomeDepressionen, AngstDepressionen

Nicht alle der genannten Symptome treten bei Schilddrüsenerkrankungen auf. Auch die Ausprägung der Beschwerden kann sehr unterschiedlich sein.

Die Hashimoto-Thyreoiditis verläuft unauffällig und wird eher durch Zufall bei einer Routineuntersuchung entdeckt. Erste Beschwerden lassen sich dann beobachten, wenn aufgrund der fortschreitenden Hypothyreose die Leistung der Schilddrüse abnimmt.

Wie diagnostizieren Mediziner eine Schilddrüsenerkrankung?

Zunächst nimmt der Hausarzt oder der Internist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse vor. Bei einem auffälligen Befund kommt eine Szintigrafie infrage, um die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse zu untersuchen und sogenannte heiße und kalte Knoten zu identifizieren.

Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung erfolgt eine Blutabnahme. Bestimmt werden in der Regel TSH sowie sämtliche Formen von T3 und T4, die im Körper vorkommen.6,7

Normalwerte von Schilddrüsenhormonen und TSH

  • Gesamt-T3: 0,52 – 2,05 µg/l
  • freies T3 (fT3): 3,4 – 7,2 pmol/l
  • Gesamt-T4: 43 – 111 ng/ml
  • freies T4 (fT4): 0,73 – 1,95 ng/dl
  • TSH: 0,27 – 4,2 µlU/ml

Um unsere Leser nicht mit zu vielen Zahlen zu verwirren, greifen wir die beiden wichtigsten Laborwerte heraus: freies T3 (fT3) und TSH. Da unser Körper T4 in das aktive Hormon T3 umwandelt, liefert das freie T3 den zuverlässigsten Hinweis auf eine vorliegende Störung. TSH wiederum sagt etwas darüber aus, ob der Körper mehr Schilddrüsenhormone benötigt (hoher TSH-Wert) oder die Menge für die anstehenden Aufgaben ausreicht (niedriger TSH-Wert).

Somit ist ein fT3-Wert unter 3,4 verbunden mit einem TSH-Wert über 4,2 ein Hinweis auf eine Hypothyreose. Umgekehrt deutet ein TSH-Wert kleiner als 0,27 und ein fT3 über 7,2 auf eine Hyperthyreose hin.

Um einen Morbus Basedow als Ursache der Überfunktion zu bestätigen oder auszuschließen, hilft die Bestimmung der TSH-Rezeptor-Antikörper (TSH-R-AK) weiter. Wenn der Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoiditis besteht, schafft die Bestimmung der TPO-Antikörper (TPO-AK) Klarheit.

Wir weisen an dieser Stelle so genau auf die Labordiagnostik hin, weil manche Hausärzte bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung nur TSH aus dem Blut bestimmen lassen. Das reicht jedoch für eine genaue Diagnose nicht aus.8


Weiterführende Artikel zu Hypothyreose, Hyperthyreose und Hashimoto-Thyreoiditis

Informationen von anerkannten Gesundheitsexperten zu Symptomen, Therapien, Vitaminen, Mineralien, Heilkräutern, ÁYIO-Q Wasserkur und ÁYIO-Q Atemtherapie.


Quellen:

[1] Jeder Dritte in Deutschland ist schilddrüsenkrank, auf https://www.pharmazeutische-zeitung.de

[2] Westdeutsche Frauen leiden häufiger unter Hypothyreose, auf https://www.aerzteblatt.de

[3] Hashimoto-Thyreoiditis – eine neue Volkskrankheit, auf https://www.hashimoto-thyreoiditis.de

[4] Schilddrüsenkrankheiten: Die Uhr tickt für Millionen, auf https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de

[5] Funktion und Aufgabe der Schilddrüse, auf https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de

[6] Schilddrüsenwerte, auf https://www.netdoktor.de

[7] TSH-Wert, auf https://www.netdoktor.de

[8] Das bedeuten Ihre Schilddrüsenwerte, auf https://www.gesundheit.de

veröffentlich am:
17. September 2021

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