Können Probiotika, Vitamine und Mineralien bei Demenz helfen?

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Aktualisiert am 15. November 2021 von ÁYIO-Q Redaktion

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Im ersten Teil der Artikelreihe zum Thema Demenz und Alzheimer haben wir die Entzündungstheorie bei Morbus Alzheimer ausführlich erläutert. Zusammengefasst spricht vieles dafür, dass die Alzheimerkrankheit und möglicherweise auch andere Formen der Demenz eine Folge von chronischen Entzündungen im Gehirn sind. Zahlreiche Wissenschaftler fanden in den letzten Jahren Hinweise, die diese Hypothese unterstützen.

Eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Demenz und Alzheimer spielt offenbar die sogenannte Darm-Hirn-Achse. In diesem Artikel erfahren Sie,

  • welche Beziehung zwischen unserem Darm und dem Gehirn besteht,
  • wie sich der Vitamin- und Mineralstoffstatus auf die Entstehung und den Verlauf der Erkrankung auswirken,
  • ob Mineralien und Vitamine dementen Menschen helfen können.

Die Darm-Hirn-Achse als Ursprung der Alzheimerkrankheit

Wie neueste Forschungsergebnisse zeigen, existiert eine direkte Verbindung zwischen unserem Darm und dem Gehirn. Beide Organe stehen über die Darm-Hirn-Achse in ständigem Kontakt und beeinflussen sich gegenseitig. Der Gastroenterologe Professor Dr. Emeran A. Mayer erforscht seit Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen der Bakterienbesiedlung im Darm (Mikrobiom) und Krankheiten wie Adipositas (Fettleibigkeit), Depression und Alzheimer.1

Nach Aussage des Entwicklungsbiologen Professor Dr. Bruce H Lipton ist das menschliche Mikrobiom so etwas wie unser zweites Gehirn. Unter anderem schütten die Mikroorganismen die Botenstoffe Dopamin und Serotonin sowie die Stresshormone Cortisol und Noradrenalin aus. Der Volksmund beschreibt die Wirkung der Darmbakterien mit dem Begriff Bauchgefühl.

Mehrere Forschungsarbeiten zeigten den Zusammenhang zwischen einer Fehlbesiedlung des Darms (Dysbiose) und dem Auftreten von chronischen Entzündungen im Körper einschließlich des Gehirns auf. So konnten zwei aktuelle klinische Studien aus Japan nachweisen, dass bei Alzheimer-Patienten eine massive Dysbiose vorliegt. Nach Ansicht der japanischen Wissenschaftler zählt die Darmfehlbesiedlung zu den Risikofaktoren einer Demenz.2,3

Wie lässt sich das erklären? Bei einer Dysbiose findet man im Darm Fäulnisbakterien, Pilze und Parasiten, die Stoffwechselprodukte sowie Signalstoffe ausscheiden und an die Darmschleimhaut abgeben. Als Folge erhöht sich die Durchlässigkeit der Darmbarriere (Leaky Gut). Da die Blut-Hirn-Schranke bei älteren Menschen durchlässiger ist als bei Jüngeren, gelangen die körperfremden Stoffe leichter in das Gehirn und rufen dort Mikrogliazellen des Immunsystems auf den Plan.

Einfach ausgedrückt schlagen die Mikrogliazellen aufgrund der Darmfehlbesiedlung kontinuierlich Alarm, sodass sich chronische Entzündungen im Gehirn bilden. Um den Teufelskreis zu durchbrechen, rät eine polnische Forschergruppe dazu, bei Alzheimer-Patienten nützliche Bakterien (Probiotika) im Darm anzusiedeln und auf diese Weise die Darmgesundheit wiederherzustellen.4

Übrigens: Die Methode wird in der Naturheilkunde seit Langem bei allen chronischen Krankheiten unter der Bezeichnung Darmsanierung angewendet.

Menschen mit Demenz und Alzheimer haben häufig einen unerkannten Vitaminmangel

Seit einigen Jahren rücken Vitamine, Mineralien und andere biologisch aktive Substanzen in den Fokus der Wissenschaft. Obwohl die Erforschung insbesondere bei chronischen Krankheiten noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es vielversprechende Ansätze. Britische Wissenschaftler der University of Exeter Medical School deckten 2014 erstmals eine Verbindung zwischen einem Vitamin-D-Mangel, Demenz sowie Alzheimer auf.

Grundlage der Übersichtsarbeit war die sogenannte Cardiovascular Health Study in den USA, an der über 1600 Männer und Frauen teilnahmen. Zu Beginn der Studie litt keiner der Probanden an einer Demenz-Erkrankung. Im Abstand von sieben Jahren wurden Blutproben entnommen und daraus der Vitamin-D-Spiegel (25-OH-Vitamin-D) bestimmt. Die Auswertung ergab, dass bei älteren Menschen ein Defizit an Vitamin D das Risiko deutlich erhöht, innerhalb der nächsten Jahre an Alzheimer zu erkranken.5

2017 bestätigte ein österreichisches Forschungsteam dieses Resultat. Wissenschaftler der Donau-Universität Krems durchsuchten die Cochrane Datenbank nach Studien zum Thema Vitamin D und Demenz. Das Ergebnis der Analyse: Je niedriger die 25-OH-Vitamin-D Konzentration im Blut, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine Demenz zu entwickeln.6

Bei den B-Vitaminen gibt es ebenfalls neue Erkenntnisse bezüglich der Wirksamkeit bei Altersdemenz. Im Rahmen des sogenannten Oxford-Projekts nahmen 168 Personen an einer placebokontrollierten Doppelblindstudie teil, die das 70. Lebensjahr bereits überschritten hatten. 85 Probanden verwendeten zwei Jahre lang ein hoch dosiertes Präparat mit Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12. Der Rest erhielt ein Placebo.

Anhand von MRT-Aufnahmen wiesen Wissenschaftler der University of Oxford nach, dass die Einnahme der drei B-Vitamine die typische Atrophie (Schrumpfung) des Gehirns im Alter verlangsamt. Mit anderen Worten können die Vitamine B12, B6 und Folsäure dazu beitragen, die kognitiven Leistungen länger zu erhalten.7

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 zeigt, dass die Therapie mit hoch dosiertem Vitamin B12 die geistigen Fähigkeiten von Patienten mit Demenz verbessern kann. Das gilt allerdings nur für diejenigen, die einen Vitamin-B12-Mangel aufweisen. Der renommierte kanadische Arzt Professor Dr. John David Spence empfiehlt zur Vorbeugung von Demenz und Schlaganfall, den Vitamin-B12-Spiegel im Blut regelmäßig zu überprüfen. Bei einer Unterversorgung sollte ein entsprechendes Präparat eingenommen werden.8,9

Sonstige Vitamine, die für Demenzkranke von Nutzen sein können

Studien zeigen, dass eine tägliche Zufuhr von 50 mg Thiamin (Vitamin B1) für Demenzkranke hilfreich sein kann. Sie trägt zur Aufrechterhaltung der Neuronen- und Nervenverbindungen bei.10

Menschen, die sich reich an Vitamin C und Vitamin E ernähren, haben ein deutlich geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die Einnahme von Vitamin E kann sogar das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen.11

Helfen Mineralien, Omega-3-Fettsäuren und Alpha-Liponsäure bei Demenz und Alzheimer?

Bisher gibt es noch keine aussagekräftigen Forschungsarbeiten mit Mineralien, die deren Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Demenzerkrankungen näher untersuchen. Eine Ausnahme stellt der Mineralstoff Magnesium dar.

Wie mehrere Studien belegen, erhöht ein Magnesiumdefizit die Entzündungsneigung des Körpers. Zudem ist das lebenswichtige Mineral an der Weiterleitung von Nervenimpulsen im Gehirn beteiligt. Da bei Personen mit Demenz niedrige Magnesium-Spiegel im Blut nachgewiesen wurden, besteht möglicherweise ein ursächlicher Zusammenhang.12

Forschungsarbeiten des University of Maryland Medical Center ergaben, dass die tägliche Einnahme von 30 bis 40 mg Zink die kognitiven Funktionen und das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten verbessern kann.13

Noch eindeutiger sieht die Situation bei Fischölen (Omega-3-Fettsäuren) und Alpha-Liponsäure aus. So konnte eine amerikanische Forschergruppe die Wirksamkeit der beiden Substanzen bei Menschen mit Alzheimer belegen.

In einer Studie mit insgesamt 87 Teilnehmern verlangsamte die kombinierte Einnahme von Alpha-Liponsäure und Omega-3-Fettsäuren den kognitiven Verfall von Alzheimer-Patienten über einen Zeitraum von 12 Monaten gegenüber der Placebo-Gruppe.14

Beeinflusst Phosphatidylserin die Symptome bei Morbus Alzheimer?

Das lebensnotwendige Lipid Phosphatidylserin wurde während der letzten drei Jahrzehnte von naturheilkundlich orientierten Therapeuten als Nahrungsergänzungsmittel zur Behandlung der Alzheimerkrankheit und anderer Gedächtnisprobleme eingesetzt. Eine Vielzahl an Forschungsarbeiten weist auf verbesserte kognitive Fähigkeiten nach der Einnahme hin.15-17

Nach Ansicht des amerikanischen Arztes Dr. Jonathan Graff-Radford von der Mayo Clinic in Rochester besitzt Phosphatidylserin lediglich eine geringfügige Wirkung bei Alzheimer-Patienten mit leichten Symptomen. Darüber hinaus sollen die positiven Veränderungen nur wenige Monate bestehen bleiben. Auf welche wissenschaftlichen Daten Dr. Graff-Radford diese Aussagen stützt, verrät er allerdings in seiner Stellungnahme nicht.18


Weiterführende Artikel zu: Morbus Alzheimer und Demenz


Quellen:

[1] Die irre Darm-Hirn-Verbindung und ihre Folgen für die Gesundheit, auf https://www.fitbook.de

[2] Saji N et al. Relationship between dementia and gut microbiome-associated metabolites: a cross-sectional study in Japan. Scientific Reports. 2020;10:8088.

[3] Saji N et al. Analysis of the relationship between the gut microbiome and dementia: a cross-sectional study conducted in Japan. Scientific Reports. 2019;9:1008.

[4] Sochocka M et al. The Gut Microbiome Alterations and Inflammation-Driven Pathogenesis of Alzheimer’s Disease-a Critical Review. Mol Neurobiol. 2019 Mar;56(3):1841-1851.

[5] Littlejohns TJ et al. Vitamin D and the risk of dementia and Alzheimer disease. Neurology. 2014 Sep 2;83(10):920-8.

[6] Sommer I et al. Vitamin D deficiency as a risk factor for dementia: a systematic review and meta-analysis. BMC Geriatr. 2017 Jan 13;17(1):16.

[7] Smith AD et al. Homocysteine-lowering by B vitamins slows the rate of accelerated brain atrophy in mild cognitive impairment: a randomized controlled trial. PLoS One. 2010 Sep 8;5(9):e12244.

[8] Moore E et al. Cognitive impairment and vitamin B12: a review. Int Psychogeriatr. 2012 Apr;24(4):541-56.

[9] Spence JD. Metabolic vitamin B12 deficiency: a missed opportunity to prevent dementia and stroke. Nutr Res. 2016 Feb;36(2):109-16.

[10] New Data Suggests Raising Vitamin B1 Levels very high Helps People Living with mild Alzheimer’s Disease, auf https://burke.weill.cornell.edu

[11] Gugliandolo A et al. Role of Vitamin E in the Treatment of Alzheimer’s Disease: Evidence from Animal Models. Int J Mol Sci. 2017 Nov 23;18(12):2504.

[12] Dominguez LJ, Barbagallo M. Nutritional prevention of cognitive decline and dementia. Acta Biomed. 2018; 89(2): 276–290.

[13] Squitti R et al. Zinc Therapy in Early Alzheimer’s Disease: Safety and Potential Therapeutic Efficacy. Biomolecules. 2020 Aug 9;10(8):1164.

[14] Shinto L et al. A randomized placebo-controlled pilot trial of omega-3 fatty acids and alpha lipoic acid in Alzheimer’s disease. J Alzheimers Dis. 2014;38(1):111-20.

[15] Olivera-Pueyo J, Pelegrín-Valero C. Dietary supplements for cognitive impairment. Actas Esp Psiquiatr. 2017 Sep;45(Supplement):37-47.

[16] Zhang YY et al. Effect of phosphatidylserine on memory in patients and rats with Alzheimer’s disease. Genet Mol Res. 2015 Aug 10;14(3):9325-33.

[17] Moré MI et al. Positive effects of soy lecithin-derived phosphatidylserine plus phosphatidic acid on memory, cognition, daily functioning, and mood in elderly patients with Alzheimer’s disease and dementia. Adv Ther. 2014 Dec;31(12):1247-62.

[18] Phosphatidylserine supplements: Can they improve memory?, auf https://www.mayoclinic.org


Informationen von anerkannten Gesundheitsexperten zu Symptomen, Therapien, Vitaminen, Mineralien, Heilkräutern, ÁYIO-Q Enerγó-Hydro-Therapie und ÁYIO-Q Pnoē-Therapie.

veröffentlich am:
21. Juli 2021

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